mennoFORUM: Frieden in Europa und Gerechtigkeit im Kleinen

geschrieben von  Joel Driedger

Zurzeit liegt in Europa einiges im Argen. Es fehlt eine gemeinsame Verfassung, die Wirtschaft stottert und der Euro-Raum ist erheblich unter Druck geraten. Die Probleme mit dem Euro sind entstanden, weil die vereinbarten Spielregeln nicht eingehalten wurden, so Dr. Konrad Lammers, Forschungsdirektor am Europa-Kolleg Hamburg.
Dr. Lammers erklärte beim mennoFORUM am 24. Januar 2014, was ursprünglich die Grundlage des Euro bildete: Die unabhängige europäische Zentralbank sollte den Geldwert festigen und ein europäischer Stabilitätspakt die nationale Fiskalpolitik disziplinieren.

Transferleistungen zwischen Staaten waren eigentlich ausgeschlossen. Allerdings hätten die Staaten in der Disziplinierung ihrer Haushalte versagt. In der Folge gab die Zentralbank ihre Unabhängigkeit auf und kaufte Staatsanleihen. Schließlich waren die reicheren Staaten Europas gezwungen, mit Transferleistungen die Schulden der angeschlagenen Staaten mit zu finanzieren.

In dieser Hinsicht sei es berechtigt, so Dr. Lammers, dass jetzt europäische Krisen-Staaten wie Griechenland ihre Haushalte unter Druck sanieren und notwendige Re-formen im Eiltempo umsetzen. Das habe zwar für die Bevölkerung tragische Auswirkungen, entspreche aber eigentlich nur den ursprünglich vereinbarten Spielregeln. Eine andere Möglichkeit bestehe höchstens darin, Euro-Staaten den Austritt aus dem Euro zu ermöglichen – wenn diese selbst es wünschten.

Dem wollte Ekaterina Dimakis, die griechische Generalkonsulin Hamburgs, nicht widersprechen. Sie verwies aber auf die weitreichenden Anstrengungen, die in den letzten Jahren von Griechenland unternommen wurden. Das griechische Volk trage momentan enorme Lasten, habe allerdings auch schon viel erreicht. Frau Dimakis schilderte in eindrücklichen Worten die gemeinsame europäische Vision: Das geeinte Europa garantiert Wohlstand und Frieden. Eine friedliche Zukunft ist nur möglich, wenn die europäischen Völker ihren Weg gemeinsam gehen und füreinander einstehen.

V.l.n.r.
Dr. Konrad Lammers, Generalkonsulin Ekaterina Dimakis, Pastorin Martina Severin-Kaiser, Prof. Dr. Fernando Enns

An dieser Stelle verwies Pastorin Martina Severin-Kaiser, Geschäftsführerin der ACK Hamburg, auf die Flüchtlingsproblematik. Die Länder in Europas Süden trügen die Hauptlast der Flüchtlingsströme, während der Norden seine Verantwortung abwälze. Hier seien auch die Kirchen gefordert. Die orthodoxe Kirche in Griechen-land habe auf die Krise reagiert und beispielsweise kostenlose Mahlzeiten auf der Straße verteilt. Die Kirchen im Norden müssten mehr Solidarität mit den Kirchen im Süden zeigen. Mit der Charta Oecumenica habe man 2001 eine gemeinsame Grundlage erarbeitet, nun müssten Taten folgen, um die Gemeinschaft in der Kon-ferenz Europäischer Kirchen voranzubringen.
Was einzelne Personen unabhängig von der großen Politik für Gerechtigkeit in Europa tun können, zeigte der Schweizer Pascal Känzig vom Verein „Lohnteilet“. Der Verein Lohnteilet ermutigt Menschen mit unterschiedlichem Einkommen, einen Teil ihres Lohns zu teilen.

Die Lohnteilet-Partner, beispielsweise ein Deutscher und ein Tscheche, füllen jeweils 10% ihres Lohns in einen gemeinsamen Topf. Beide erhalten dann aus dem Topf 50% von der gemeinsam eingelegten Summe. Beide geben und beide nehmen. Auf diese Weise findet eine Umverteilung statt, ohne dass das Geld nur in eine Richtung fließt. Gleichzeitig entsteht eine solidarische Beziehung über Grenzen hinweg.

Europa braucht die Solidarität über Grenzen, genauso wie die gemeinsame Beachtung der Spielregeln. Der große Frieden muss durch Gerechtigkeit im Kleinen vor-bereitet werden und Frieden im Kleinen ist nur möglich, wenn auch Gerechtigkeit im Großen herrscht. Wie große und kleine Kontexte miteinander zusammenhängen, wurde in unserer mennoFORUM-Reihe deutlich, die sich am ersten Abend auf Deutschland konzentrierte, am zweiten auf Hamburg und schließlich auf Europa.

Berichte und Bilder zu den anderen Abenden finden sich unter www.mennoforum-hamburg.de.

Gelesen 5782 mal Letzte Änderung am Dienstag, 18 März 2014 08:56

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