Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden (Joh. 16, 20)

geschrieben von  Bernhard Thiessen

Eigentlich waren es ganz freundliche Jungs, die ich da in USA getroffen habe und mit denen ich einen ganzen Tag lang durch New Orleans gelaufen bin, bis sie mich abends ausraubten. Sie nahmen mir fast alles: Zelt, Schlafsack, Kleider, Kamera, Bargeld, Pass. Ich hatte nur noch das, was ich am Leib trug und im Sicherheitsgürtel versteckt hatte: Flugticket, Adressbuch, Travellerschecks. Mutterseelenallein, wütend und tief traurig lief ich durch die leeren Straßen und kam an ein billiges Rucksacktouristenhotel. Dort lernte ich Jacques kennen, einen Franzosen, der auch allein durch USA reiste. Damals war ich 19 Jahre alt. Es wurde die längste und beste Reisebekanntschaft meines Lebens, noch heute haben wir guten Kontakt.

In Andeutung kann ich nachempfinden, was in den Jüngern vorgegangen sein könnte, als Jesus ihnen sagte, dass er ihnen genommen wird, dass sie nun völlig auf sich allein gestellt sein werden, aber dass es dabei nicht bleiben wird. In den so genannten Abschiedsreden (Johannes Ev. Kap 14 bis 17) bereitet Jesus seine Jünger ausführlich auf diese Situation vor.

Doch sicherlich konnten sie erst nachvollziehen, was er meinte, nachdem sie es am eigenen Leib erlebt haben. So ist es bei vielem, was wirklich wichtig ist. Man muss es erst selbst durchgemacht haben, um das ganze Ausmaß zu erfassen. Dabei ist
für mich der Gedanke der Verwandlung das Wichtigste an unserem Monatsspruch. Es geht also nicht darum, dass die Traurigkeit weggeredet werden soll. Es geht auch nicht darum, dass es keine richtige Freude mehr geben kann, wenn man mal so tief traurig über den Verlust eines Menschen oder der Lebensgrundlage ist. Nein, es geht darum, sich auf den langen und oft auch schmerzhaften Weg der Verwandlung einzulassen.

Nicht in einer um uns selbst kreisenden Traurigkeit verharren, aber auch nicht in eine belanglose Fröhlichkeit flüchten. Wenn wir aus Trauer zur Freude kommen wollen, dann müssen wir uns ganz langsam und tiefgründig verwandeln lassen. Gott will uns helfen, so wie er es auch seinen Jüngern versprochen hat: Gottes Geist wird kommen und ist schon da, um uns zu trösten und zu stärken, damit auch für uns traurige Karfreitagserfahrung langsam, ganz langsam in die Freude des Ostermorgens verwandelt werden kann, auch wenn das oft länger als drei Tage dauert.

Foto (c) "New Orleans Jazz Band von Katie Harbath" unter https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/

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Monatslosung

Und siehe, es sind Letzte, die werden die
Ersten sein, und es sind Erste, die werden
die Letzten sein.

Lk 13, 30

Tucholsky Quartier

Unsere Kirche liegt am Rande des Quartiers, dessen Neuplanung gerade läuft. Informationen dazu finden Sie auf dem Blog des Bezirksamtes Altona unter www.tucholsky-quartier.de. Auch wir beteiligen uns an dem spannenden Entwicklunsgprozess.

 

Wir in Hamburg-Altona

Schon 1601 erlaubte Graf Ernst von Schauenburg den aus den Niederlanden geflohenen, in dem damals kleinen Ort Altona eine Gemeinde zu gründen und eine Kirche zu bauen. In der Blütezeit der Gemeinde im 17. und 18. Jahrhundert zählten viele Kaufleute, Reeder (Walfang), Unternehmer und Handwerker zu den Mennoniten. Unsere erste Kirche (Große Freiheit) brannte 1713 im Schwedenbrand nieder und wurde durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. 1915 wurde die neue Kirche der Mennonitengemeinde an der Mennonitenstraße in Altona-Nord eingeweiht, die uns seitdem als Versammlungsort dient.