Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?

geschrieben von  Rebecca Froese

„Nobiscum Deus“ – „Gott mit uns“ war der Schlachtruf des späten römischen Reiches. „Gott mit uns“ war seit dem 18. Jahrhundert der Wahlspruch des preußischen Königshauses und der Deutschen Kaiser. „Gott mit uns“ war eingraviert auf den Koppelschlössern der deutschen Wehrmacht im zweiten Weltkrieg. „Gott mit uns“ denkt einer, der im 21. Jahrhundert auszieht, um gegen das „Böse“ in der Welt zu kämpfen und seine eigene Gerechtigkeit walten zu lassen. „Gott mit mir“ denkt eine, die mit Ihrem Glauben die Abwertung anderer rechtfertigt – Andersdenkende, Anderslebende, Andersgläubige.

Wer Gott auf seiner Seite hat, hat es auf den ersten Blick einfach, sein Urteil zu fällen. Es ist klar, wer Recht hat und wer Unrecht, wer gut ist und wer böse, wel-ches Leben richtig ist, welches falsch. Die Geschichte gibt uns viele Beispiele, in denen diese menschliche Selbstgerechtigkeit zum Ausdruck kommt.

Doch lesen wir Paulus (Römer 8, 31) Aussage noch einmal im Kontext des Römerbriefes, so stellen wir eines fest, nicht wir entscheiden auf welcher Seite wir stehen, sondern Gott alleine hat die Kraft, uns auf seine Seite zu stellen. Gott schenkt den Menschen seine Gerechtigkeit und seine Gerechtigkeit ist Barmherzigkeit. Gott ist für uns, er tritt für uns ein – diese Solidarität Gottes lässt sich nicht von Machthabern und Diktatoren miss-brauchen, denn so wie er für uns eintritt, so tritt er auch für andere ein.

Im Römerbrief werden wir dazu aufgefordert, diese Solidarität Gottes als Gemeinde weiterzutragen und seine Gerechtigkeit und Barmherzigkeit auch in unserem Kon-text, unserem „Jetzt und Hier“ zu leben und mit Taten zu füllen. Nicht die Abschottung gegenüber anderen – angefangen bei unserem mennonitischen und christlichen Umfeld – nicht die Ablehnung und Ignoranz der anderen - Kulturen, Nationalitäten, Glaubenden, Denkenden –, sondern die Öffnung gegenüber dem anderen, und das Wahrnehmen und gegenseitige Respektieren wird hier zum Kennzeichen einer christlichen Gemeinde.

 

Bild: WWI Gott mit uns Mmedaillon von Great War Observer unter Creative Commons 2.0 generic Lizenz.

Gelesen 2901 mal

Monatslosung

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.

Kol 4, 6

Tucholsky Quartier

Unsere Kirche liegt am Rande des Quartiers, dessen Neuplanung gerade läuft. Informationen dazu finden Sie auf dem Blog des Bezirksamtes Altona unter www.tucholsky-quartier.de. Auch wir beteiligen uns an dem spannenden Entwicklunsgprozess.

 

Wir in Hamburg-Altona

Schon 1601 erlaubte Graf Ernst von Schauenburg den aus den Niederlanden geflohenen, in dem damals kleinen Ort Altona eine Gemeinde zu gründen und eine Kirche zu bauen. In der Blütezeit der Gemeinde im 17. und 18. Jahrhundert zählten viele Kaufleute, Reeder (Walfang), Unternehmer und Handwerker zu den Mennoniten. Unsere erste Kirche (Große Freiheit) brannte 1713 im Schwedenbrand nieder und wurde durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. 1915 wurde die neue Kirche der Mennonitengemeinde an der Mennonitenstraße in Altona-Nord eingeweiht, die uns seitdem als Versammlungsort dient.