Wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen, dann vergebt ihm

geschrieben von  Gerrit Wiebe

 

Dieser Vers ist einerseits ganz klar und verständlich – und andererseits doch recht kompliziert. Will Markus wirklich sagen, dass nur ein Mensch, der sich mit allen seinen Mitmenschen ausgesöhnt hat, sein Wort an Gott richten darf? Würden Christen sich strikt daran halten, ginge ich davon aus, dass im Himmel recht wenige Gebete ankommen würden. Ich glaube schon, der Evangelist meint es ernst – aber eher im grundsätzlichen Sinne: Er stellt eine Hierarchie auf, sagt uns also, was wichtiger – und was weniger wichtig ist.

Wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen, dann vergebt ihm, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt. (Markus 11,25)

Erstaunlicherweise sagt er: beten ist wichtig – aber den Mitmenschen verzeihen ist wichtiger. Und beten heißt zu seiner Zeit vor allem: Gottesdienst feiern. Und diese Nachricht findet sich sogar schon beim Propheten Amos (5, 21ff), der einen festlichen Gottesdienst voller Opfer und Musik verdammt – zugunsten der Gerechtigkeit.

Das eigentliche Thema ist jedoch nicht die Abwertung des Gottesdienstes, sondern die Aufwertung des Verzeihens, man könnte sagen, des „inneren Gottesdienstes“ im eigentlichen Wortsinne. Wer innerlich im Streit mit anderen eingeschnürt ist, der ist auch im Gottesdienst verkehrt – der kann einen wirklichen Gottesdienst gar nicht feiern. Statt eines äußerlichen Gottesdienstes sollte er sich ganz auf die Aussöhnung mit anderen konzentrieren. Hat er das geschafft, ist er willkommen innerlich und äußerlich mit Gott zu feiern.

Wenig Sinn macht es also zu zählen, wer wie oft äußerlich mit anderen zusammen betet – denn Innerliches können wir dabei gar nicht erkennen. Dennoch gibt es genügend Bibelstellen in denen das gemeinschaftliche Zusammenkommen vor Gott in den Mittelpunkt gestellt wird. Jesus besuchte Synagogengottesdienste und feierte Abendmahl mit seinen Getreuen. Sein Beispiel ist auch hier Vorbild – aber für Markus und Amos gibt es tatsächlich noch wichtigeres.

Bild: Praying Boy by Adi ALGhanem  NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von Adi ALGhanem 

 

 

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Kol 4, 6

Tucholsky Quartier

Unsere Kirche liegt am Rande des Quartiers, dessen Neuplanung gerade läuft. Informationen dazu finden Sie auf dem Blog des Bezirksamtes Altona unter www.tucholsky-quartier.de. Auch wir beteiligen uns an dem spannenden Entwicklunsgprozess.

 

Wir in Hamburg-Altona

Schon 1601 erlaubte Graf Ernst von Schauenburg den aus den Niederlanden geflohenen, in dem damals kleinen Ort Altona eine Gemeinde zu gründen und eine Kirche zu bauen. In der Blütezeit der Gemeinde im 17. und 18. Jahrhundert zählten viele Kaufleute, Reeder (Walfang), Unternehmer und Handwerker zu den Mennoniten. Unsere erste Kirche (Große Freiheit) brannte 1713 im Schwedenbrand nieder und wurde durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. 1915 wurde die neue Kirche der Mennonitengemeinde an der Mennonitenstraße in Altona-Nord eingeweiht, die uns seitdem als Versammlungsort dient.