Monatssprüche

Manchmal bin ich so richtig sauer – auf mich und die Welt. Früher bin ich dann richtig hart ins Gericht gegangen mit Gott. Ich habe meiner Wut Ausdruck verliehen. Heute mache ich das eher weniger. Wütend zu sein auf Gott, das bringt doch nichts. Außerdem habe ich dann ein schlechtes Gewissen. Andererseits; geht nicht auch Gott mit uns manchmal – oder später einmal hart ins Gericht. Und haben sich nicht auch die Psalmisten hart über Gott geäußert und geklagt und geschrien. Aber sie hatten ja nun auch wirklich Grund dazu – denke ich: Was die alles durchmachen mussten…was für Schicksale die hatten…!

Jesus ist gekreuzigt, er wurde gefoltert und hingerichtet – tot ist der „König der Juden“. Die römischen Besatzer haben es geschafft, diesen Aufrührer zur Strecke gebracht. Dieses Kapitel sollte für sie nun am Ende sein. - Doch es kommt anders als erwartet. Gerade in diesem Moment bestätigt einer der beteiligten Soldaten: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ (Mt 27,54) Diese Einsicht kommt reichlich spät, denn gestorben ist der Menschensohn bereits. Warum ist es gerade der ungläubige Büttel der Römer, der als erster die neue Geschichte in Gang bringt?

„Nobiscum Deus“ – „Gott mit uns“ war der Schlachtruf des späten römischen Reiches. „Gott mit uns“ war seit dem 18. Jahrhundert der Wahlspruch des preußischen Königshauses und der Deutschen Kaiser. „Gott mit uns“ war eingraviert auf den Koppelschlössern der deutschen Wehrmacht im zweiten Weltkrieg. „Gott mit uns“ denkt einer, der im 21. Jahrhundert auszieht, um gegen das „Böse“ in der Welt zu kämpfen und seine eigene Gerechtigkeit walten zu lassen. „Gott mit mir“ denkt eine, die mit Ihrem Glauben die Abwertung anderer rechtfertigt – Andersdenkende, Anderslebende, Andersgläubige.

Im Grundgesetz heißt es „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und in der Menschenrechtserklärung im Artikel 1 „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie (…) sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ – Wie schön! - Und trotzdem werden Flüchtlingsheime in Brand gesetzt und in Großdemonstrationen der Pegida-Bewegung gegen Flüchtlinge mobil gemacht. Mir macht nicht die angebliche Islamisierung Angst, sondern eher umgekehrt Bewegungen wie diese.

Der Prophet gibt uns ein Versprechen: Alles wird gut – aber er verrät uns hier nicht wann das sein wird und welche Schritte bis dahin noch zu machen sind. In anderen Versen des Jesaja-Buches macht er aber immerhin klar, wer es gut werden lässt: das kann Gott allein. Das heißt für ihn aber nicht, dass wir Menschen uns aufgrund unser Machtlosigkeit zurücklehnen sollen – wer die vielen Drohworte am Anfang des Buches kennt, der weiß: der Mensch soll einiges tun und vieles lassen, damit auf ödem Land Lilien blühen können.

„Lernt, Gutes zu tun! Sorgt für das Recht! Helft den Unterdrückten! Verschafft den Waisen Recht, tretet ein für die Witwen!“ Jesaja 1, 17 - Dieser Vers in der Bibel ist eine moralische Anleitung zur Gottesfurcht – in Jesaja lautet die Bezeichnung sogar „zum richtigen Gottesdienst“. Wer kann da nicht nicken und einverstanden sein, dass ChristInnen, ja, alle religiös und ethisch verantwortungsbewussten Menschen solche Worte ernst nehmen sollen. Es ist bis heute eine Frage geblieben, was denn richtiger Gottesdienst sein soll. Die einen entscheiden sich für die Abwendung von der Gesellschaft und fokussieren auf endzeitliche und paradiesische Erwartungen.

Salomo, der Königssohn, steht vor einer riesigen Aufgabe. Sein Vater David befiehlt ihm, dem Gott Israels einen Tempel zu bauen. David selbst hatte schon sehr viel Material herbeigeschafft, aber es sollte nicht seine Aufgabe sein, dem Tempel letztlich zu bauen; sein Sohn sollte das große Werk vollbringen. Welche Herausforderung für Salomo! Aber sein Vater David steht hinter ihm; ermutigende Worte, prophetisch gefärbte Gottesworte, spricht er ihm zu. Die Macht des Vaters neigt sich dem Ende zu, aber er wird darüber nicht bitter, sondern gibt seine Macht und Verantwortung an den Sohn.

Zum Weihnachtsfest 1992, als wir Kinder mit der Sorge und Fürsorge für unsere alten Eltern sehr eingespannt waren, schenkten Bruder und Schwägerin mir eine schöne Bibel. Auf deren erster Innenseite sie den ersten Teil unseres Monatsspruchs als Widmung geschrieben hatten, zu jener Zeit ein sehr tröstliches Wort: Im Dennoch, trotz eines nicht leicht zu bewältigenden Alltags, an Gott zu bleiben und seine Hilfe und Nähe dankbar zu spüren, und immer wieder meine Hand in seine legen zu dürfen, um den Halt nicht zu verlieren.

Bald ist Pfingsten. Der Heilige Geist wird auf die Menschen, vor allem auf die Apostel „regnen“. Die christliche Kirche konstituiert sich: Was heißt das? Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden. (Apg. 2, 11) Ich denke, es ist eine Geschichte des Verstehens und Zuhörens, des Verstehen-Wollens und Zuhören-Wollens – trotz aller Unterschiede. Es ist in dem Moment des Pfingstwunders ein wirkliches sich Öffnen für den Anderen. Warum und wie das passiert ist, warum gerade dann und dort, ist wahrlich nicht erklärbar und ein Wunder oder Zeichen!

Gut, dass wir Sie haben! - Zur Realität jeder Gemeinde gehören Alteingesessene und Neu-Dazu-Gekommene, Hauptamtliche und Ehrenamtliche, unterschiedliche gesellschaftliche Schichten und in allem: Frauen und Männer. Das war auch schon zu Paulus Zeiten so; und augenscheinlich hat das zu Ausgrenzungen geführt. Sonst müsste Paulus die Gemeinde in Galatien nicht daran erinnern, dass das Verbindende über alle gesellschaftlichen, nationalen und biologischen Grundmuster hinweg die Taufe ist. Wir alle gehören gleichermaßen zu Christus und dadurch ist alles Zertrennende schon weggenommen.

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Monatslosung

Gott spricht: „Ich schenke Euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch!“

Hesekiel 36,26a

Tucholsky Quartier

Unsere Kirche liegt am Rande des Quartiers, dessen Neuplanung gerade läuft. Informationen dazu finden Sie auf dem Blog des Bezirksamtes Altona unter www.tucholsky-quartier.de. Auch wir beteiligen uns an dem spannenden Entwicklunsgprozess.

 

Wir in Hamburg-Altona

Schon 1601 erlaubte Graf Ernst von Schauenburg den aus den Niederlanden geflohenen, in dem damals kleinen Ort Altona eine Gemeinde zu gründen und eine Kirche zu bauen. In der Blütezeit der Gemeinde im 17. und 18. Jahrhundert zählten viele Kaufleute, Reeder (Walfang), Unternehmer und Handwerker zu den Mennoniten. Unsere erste Kirche (Große Freiheit) brannte 1713 im Schwedenbrand nieder und wurde durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. 1915 wurde die neue Kirche der Mennonitengemeinde an der Mennonitenstraße in Altona-Nord eingeweiht, die uns seitdem als Versammlungsort dient.