geschrieben von  Peter J. Foth

Autonomie

Mennoniten gehören als Nachfahren der Täuferbewegung zum so genannten "kongregationalistischen" Kirchentyp (von lat. congregatio = "die Herde", hier die örtliche Gemeinde). Sie vertreten damit das extreme Gegenmodell zu einer zentralistisch verfassten Kirche, wie es etwa die römisch-katholische Kirche ist. Wie schon im Täufertum mit seinem ausgeprägten Autonomieverständnis der einzelnen Gruppen, Gemeinden oder Führerfiguren, liegt auch beim heutigen Mennonitentum die oberste Vollmacht in allen Fragen der Glaubenslehre und -praxis bei der versammelten Ortsgemeinde.

Die Autonomie jeder einzelnen Gemeinde zeigt sich zum Beispiel bei der Predigerwahl oder bei der Finanzverwaltung. Eine Gemeinde sucht sich ihren Pastor / ihre Pastorin selbst, ohne Eingriffsmöglichkeiten von außen, und sie alleine entscheidet, ob sie sich einem Zusammenschluss von Gemeinden ("Konferenz") anschließt und diesen finanziell unterstützt. Dieses Modell schreibt den Gemeindegliedern eine hohe Kompetenz und Verantwortung bei der Regelung geistlicher und praktischer Fragen zu. Man kann daher sagen, dass Mennoniten das "allgemeine Priestertum" ernst nehmen.

Durch das Fehlen einer zentralen, normierenden Instanz haben sich die dem Mennonitentum zuzurechnenden Gemeinden und Gruppen im Laufe der Zeit durch weltweite Wanderungen und Einflüsse der jeweiligen Umwelt in vieler Hinsicht sehr weit auseinander entwickelt. Es gibt praktisch keine Aussage über "die Mennoniten", die überall und immer und uneingeschränkt richtig ist. Das gilt sogar in einigen Fällen vom Autonomieprinzip selbst: Sowohl in Nordamerika als auch in den aus mennonitischer Mission hervorgegangenen Gemeinden gibt es Gruppen, die in sich ein straff zentralistisches System der Zusammenarbeit von mehreren oder vielen Gemeinden entwickelt haben; dies ist jedoch die Ausnahme.

In der Regel gehören Ortsgemeinden freiwillig zu einer "Konferenz" oder zu nationalen "Arbeitsgemeinschaften" und diese wiederum zu größeren oder weltweiten Zusammenschlüssen, jedoch haben alle überörtlichen Verbände nur eine eingeschränkte und abgeleitete Handlungsvollmacht.

Monatslosung

Gott spricht: „Ich schenke Euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch!“

Hesekiel 36,26a

Tucholsky Quartier

Unsere Kirche liegt am Rande des Quartiers, dessen Neuplanung gerade läuft. Informationen dazu finden Sie auf dem Blog des Bezirksamtes Altona unter www.tucholsky-quartier.de. Auch wir beteiligen uns an dem spannenden Entwicklunsgprozess.

 

Wir in Hamburg-Altona

Schon 1601 erlaubte Graf Ernst von Schauenburg den aus den Niederlanden geflohenen, in dem damals kleinen Ort Altona eine Gemeinde zu gründen und eine Kirche zu bauen. In der Blütezeit der Gemeinde im 17. und 18. Jahrhundert zählten viele Kaufleute, Reeder (Walfang), Unternehmer und Handwerker zu den Mennoniten. Unsere erste Kirche (Große Freiheit) brannte 1713 im Schwedenbrand nieder und wurde durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. 1915 wurde die neue Kirche der Mennonitengemeinde an der Mennonitenstraße in Altona-Nord eingeweiht, die uns seitdem als Versammlungsort dient.