Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat
Deuteronomium 26,11

Helga Kempcke

Mose ist alt geworden und zieht Bilanz. Als Auftragnehmer und Sprachrohr Gottes hat er die Israeliten beharrlich geführt und sie durch göttliche Gebote zurechtgewiesen. Nun sind sie zu einem stolzen Volk herangewachsen. Opfergejammer war gestern, heute werden Siege gefeiert. Einst in Ägypten versklavt, sind sie dank Gottes Beistand zu klugen Taktierern gereift und haben nach und nach Land erobert. Schließlich ist es ihr Gott, der ihrem Urvater Abraham einst eigenes Land zugesprochen hatte, Land vom „Grenzbach Ägyptens bis zum großen Strom, dem Euphrat“. Ungeachtet der dort lebenden Menschen. (Gen 15,18-21)

So hatten die Israeliten fremde Völker vernichtet und „behielten als Beute nur das Vieh und das, was wir in den eroberten Städten geplündert hatten“. (Dtn 2,34-35ff) Und mehr als einmal ist die Rede vom Libanon, von Gaza und vom Jordanland. In Landschaften, „wo Milch und Honig fließen“, schickt sie ihr Gott. Aber statt dankbar zu sein, kommen augenscheinlich Skrupel auf angesichts der eigenen Brutalität. Darum muss Mose sie ermahnen und bestärken: Ihr sollt kein Mitleid aufkommen lassen! Denn ihr seid im Recht, weil ihr mit dem einzig wahren Gott unterwegs seid. (Dtn 7,16)

Ja, wer sich angesichts des neuen Landbesitzes und Reichtums zweifelsfrei im Recht fühlt, sollte doch zufrieden sein. Aber nein: Das auserwählte Volk, das mit Land, Viehherden und Olivenhainen beschenkt ist, scheint den göttlichen Segen nicht unbeschwert auszukosten. Darum muss Mose ihm quasi befehlen, endlich fröhlich zu sein und sich zu freuen über alles Gute, das Gott ihm gegeben hat.

Aber wie gut ist all das Gute? Wieviel Schweiß und wessen Blut hat es gekostet? Wer Mitleid spürt und Reichtum fragwürdig findet, ist ein Störenfried in einer Gesellschaft, die pure Größe, Landnahme und Ausbeutung auf ihre Fahnen geschrieben hat. Zu Moses Zeiten, über die Jahrtausende bis heute. Solche Störenfriede sind selten, aber nach wie vor nicht mundtot zu kriegen. Gott sei Dank.

Bild von Fabio auf Pixabay

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Galater 5,1

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