„… ich wünsche, dass es dir in allen Stücken gut gehe und du gesund seist, so wie es deiner Seele gut geht.“
Brief des Johannes, Vers 2

Chr. Finkhäuser

Sarkastisch könnte man sagen: Eine Seuche um uns herum, ein Krieg vor unserer Haustür. Aber Hauptsache, Du bist gesund! Ich bin dünnhäutig geworden, obwohl es mir materiell an nichts mangelt. Dennoch zehren Pandemie und Krieg an mir.

Aber über Wünsche fürs Wohlbefinden hinaus geht es dem Verfasser des Briefes um mehr. „Ich habe keine größere Freude als die, zu hören, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln.“
Ohne „Wahrheit“ kein Frieden in mir. Wenn das nur so einfach wäre. Meine persönliche Wahrheit ist derzeit vor allem, dass ich meine Grundüberzeugung der Richtigkeit einer Position der Gewaltfreiheit nur schwer mit den berechtigten Anliegen des ukrainischen Volkes in Übereinstimmung zu bringen vermag. Und dies in einer Lage, aus der ich den Krieg aus sicherer Entfernung mitfinanziere. Damit gebe ich zwar nur dem Kaiser, was des Kaisers ist. Töten und Sterben müssen andere. Noch.

Weiter heißt es im Johannes-Brief:
„Mein Lieber, wer Gutes tut, der ist von Gott; wer Böses tut, der hat Gott nicht gesehen.“
Christus fordert, das Schwert wieder an seinen Ort zu stecken, um nicht mit ihm umzukommen. Nähme ich dieses Wort ernst, müsste ich seiner Friedensbotschaft unbedingt Vorrang geben. Ich müsste darauf hoffen, dass Unrecht Gut nicht gedeiht. Es fällt mir sehr schwer, dies so hinzunehmen.

Aus dieser Perspektive wird nun auf einmal klarer, wie die anfängliche Passage gemeint sein kann. Der persönliche Wunsch des Briefschreibers ist nicht als reine Höflichkeitsfloskel misszuverstehen. Der Adressat befindet sich in einer Konfliktsituation, in der er Trost und Bestärkung nötig hat. Wenn ich anerkenne, dass Jesus stets aus einer Position weltlicher Schwäche und Verwundbarkeit zu uns gesprochen hat, dann darf ich nicht gleichzeitig auf das sanfte Ruhekissen des eigenen Gewissen hoffen. Im Gegenteil: Es geht um splittrige Balken, um Ungemütliches. Die guten Wünsche sind keine Versprechen und auch keine weltlichen Ansprüche, die wir geltend machen können als eine Belohnung für dies oder das. Deshalb bleibt uns der menschliche Zuspruch so wertvoll, gerade wenn es schwer wird. Wir sind angewiesen auf das Empfangen aus der Hand unserer Mitmenschen.

Aus dieser Perspektive erübrigt sich dann auch jeder Sarkasmus. Vergessen wir all dies nicht, wofür wir uns auch immer entscheiden.

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“
Psalm 42,3

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