„Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.“
Haggai 1,6 (nach Luther)

Chr. Finkhäuser

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, war Helmut Schmidts „pampige Antwort auf eine dusselige Frage“.

Um große Visionen geht es auch dem „kleinen“ Prophet Haggai. Vordergründig mag man eine eingängliche Abrechnung mit dem Materialismus seiner – wie unserer – Tage erkennen. Haggai möchte jedoch in widerstreitender Bildsymbolik sein damaliges Publikum nach Rückkehr aus dem Babylonischen Exil von der Notwendigkeit des Wiederaufbaus des Tempels überzeugen.

Es erscheint mir so, als solle in einem Flüchtlingslager in der Wüste zunächst ein pompöses Gotteshaus gesetzt werden, noch bevor die Wasserversorgung gelegt, noch bevor Lagerhäuser gefüllt sind, noch bevor Schulen für die Kinder errichtet wurden. Viele Zeitgenossen des Propheten kamen da nicht mit. Und ich selbst bin zunächst deutlich näher bei Helmut Schmidt als bei Haggai.

Aber vielleicht geht es gar nicht so sehr um die religiöse Vision an sich. Wie wäre es, wenn der Tempel nicht den symbolischen Schlussstein, sondern vielmehr das Fundament verkörpert? Es ging Haggai auch darum, das Volk Israel um ein identitätsstiftendes Projekt zu versammeln. Haggai kritisiert das Klein-Klein seiner Zeitgenossen, den unerbittlichen Wettstreit zwischen Einzelinteressen, den fehlenden Blick auf die Grundlagen für die gesamte Gesellschaft. Ohne mutige Kontrapunkte gegenüber einer trägen Gegenwart geschieht wenig.

Wir kommen nicht ohne Visionen aus.
Bei Matthäus 6,19 sagt der „große“ Prophet Jesus: „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen.“

Wer sein Leben einzig am eigenen Wohlergehen ausrichtet, baut auf Sand. Wer Entscheidungen nur am Füllstand seines Kontos ausrichtet, erliegt einem Trugbild. Sand ist kein guter Baugrund, weder für Tempel noch für Paläste. Erst recht nicht für Zelte im Wind.

„… ich wünsche, dass es dir in allen Stücken gut gehe und du gesund seist, so wie es deiner Seele gut geht.“
Brief des Johannes, Vers 2

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