„Seid zornig, doch sündigt nicht. Die Sonne soll nicht untergehen über eurem Zorn.“
Epheser 4, 26

Markus Hentschel

Zorn und Wut sind gefährlich. Denn sie sind immer heftig. Wütenden entgleiten nicht nur die Gesichtszüge, sondern leicht verlieren sie die Kontrolle über sich. Wut/Zorn kennt oft kein Maß und geht daher nicht selten in Gewalt über.

Zu recht, meine ich, sind Wutbürger kein Vorbild in Sachen Protest oder zivilem Ungehorsam. Die Lust am Angriff auf Andersdenkende und anders Lebende, die bis zur Lust an deren Vernichtung sich steigern kann, tarnt sich als vermeintlich berechtigte Wut.

Die Zurückhaltung gegenüber dem Zorn schlägt sich auch in den üblichen Übersetzungen des Monatsspruchs nieder. Zumeist wird einschränkend übersetzt: „Wenn ihr zornig seid …“ mit der naheliegenden Deutung: „Lasst es am besten, zornig zu sein.“ Aber so heißt es im griechischen Original nicht.

Zorn und Wut haben ihr Recht, denn sie zeigen an, dass wir etwas als ungerecht empfinden. Gut, wenn wir das noch können – und nicht alles mit Gleichgültigkeit oder abgeklärt stoischem Gleichmut wahrnehmen und über uns und andere ergehen lassen. Natürlich ist auch Jesus zornig, wenn ihm Ignoranz begegnet (Markus 3, 5).

Gleichwohl sollen wir „die Sonne nicht untergehen lassen über unserem Zorn“. Wut ist manchmal nötig. Ihn unterbinden hieße denen, die Unrecht anklagen, den Mund zu verbieten. Zorn soll auch nicht einfach verrauchen. Seine Energie soll vielmehr in Taten der Gerechtigkeit verwandelt werden. Ob der Zorn gut war (oder nur ein narzisstischer Impuls), zeigt sich daran, ob ihm solche Taten folgen. Zorn sollte also eine kommunikative, gemeinschaftliche Angelegenheit sein. Es ist gut, den Zorn anderer wahrzunehmen als Hinweis darauf, was vielleicht anders und besser werden sollte. Solange man sich nicht gemeinsam daran macht, Ungerechtes zu ändern, so lange kann man nicht guten Gewissens die Sonne untergehen lassen und die Abendruhe genießen.

„Dann ist der Wolf beim Lamm zu Gast, und der Leopard liegt neben einem Böckchen. Ein Kalb und ein junger Löwe grasen miteinander, ein kleiner Junge hütet sie.“
Jesaja 11,6

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