Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut

Markus Hentschel

Der gerade geborene Jesus ist von Anfang an Anlass und Gegenstand von Konflikten. Obwohl oder vielleicht weil sein Name Jesus, d.h. Gott rettet, und die ihm mitgegebene Verheißung, Immanuel, d.h. Gott mit uns, Anlass zur Freude geben sollte.

Aber es sind bereits die vermeintlich Falschen, die sich zuerst freuen bei Matthäus. Nämlich kulturfremde Ausländer. „Heiden“. Magier aus dem Osten, Menschen mit zwielichtiger, astrologischer Profession.

Für etliche, die sich eigentlich freuen sollten, den König Herodes, die Elite der Priester und Schriftgelehrten, also für diejenigen, denen das politische und kulturelle Überleben ihres Volkes am Herzen liegen sollte, klingt „Gott rettet“ und „Gott mit uns“ wie eine Drohung. Ihre Herrschaft, so fassen sie die Verheißungen auf, soll in Frage gestellt werden und womöglich ein Ende finden.

Die Verheißung, die dieses Neugeborene verkörpert, „Gott rettet“, „Gott mit uns“ ist das Versprechen einer wehrlosen Menschlichkeit. Diese Menschlichkeit ist zwar wehrlos, aber nicht machtlos. Jesus wird sich als vollmächtig erweisen, wenn er die Schrift auslegt, Kranke heilt, Menschen die Sünden vergibt und mit Außenseitern isst und trinkt. Diese Menschen begegnen Jesus wie die Weisen aus dem Osten: mit wehrloser, reiner Freude ohne Neid. Die Menschen, die Jesus mit reiner Freude begegnen, erfahren auch sich selbst in ihrer wehrlosen, kindlichen Kreatürlichkeit, als Menschen dazu bestimmt, voll Freude zu sein.

Der „Gott mit uns“, den Jesus verkörpert, widerspricht damit dem „Gott mit uns“, der seit 1847 die Koppelschlösser der preußischen Soldaten markierte. Dieser „Gott mit uns“ war der Gott des Nationalismus. Er ist ein Gott des Todes und der Tränen. Jesus aber verkörpert den Gott des Lebens und der Freude. Einer Freude, die mit anderen geteilt werden möchte und nicht auf ihre Kosten geht.

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